Zahnfehlstellung durch Mundatmung – mögliche Ursachen, Folgen und die richtige Behandlung

Dein Kind atmet häufig durch den Mund statt durch die Nase? Das kann langfristig Auswirkungen auf die Zahnstellung und Kieferentwicklung haben. Hier erfährst du, woran du Mundatmung erkennst, welche Folgen sie hat und was du tun kannst.
Zahnfehlstellung durch Mundatmung – Ursachen, Folgen und Behandlung
Viele Eltern bemerken es erst spät: Ihr Kind atmet überwiegend durch den Mund. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, kann die Entwicklung von Kiefer und Zähnen nachhaltig beeinflussen. Die gute Nachricht: Wenn du die Anzeichen früh erkennst und handelst, lassen sich viele Probleme vermeiden oder gut behandeln.
In diesem Ratgeber erklären wir dir den Zusammenhang zwischen Mundatmung und Zahnfehlstellungen. Du erfährst, welche Ursachen dahinterstecken können, wie du Mundatmung bei deinem Kind erkennst und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. So kannst du informiert entscheiden, wann ein Besuch beim Spezialisten sinnvoll ist.
Warum Mundatmung ein Problem für die Zahnentwicklung ist
Bei der normalen Nasenatmung liegt die Zunge entspannt am Gaumen. Dieser leichte, aber konstante Druck ist wichtig für das Wachstum des Oberkiefers. Die Zunge formt den Gaumen von innen und sorgt dafür, dass sich der Kiefer breit genug entwickelt.
Bei Mundatmung sieht das anders aus: Der Mund steht offen, die Zunge liegt tief im Mundraum statt am Gaumen. Dadurch fehlt der natürliche Wachstumsreiz für den Oberkiefer. Die Folge: Der Oberkiefer bleibt schmal, der Gaumen wird hoch und spitz. Für die bleibenden Zähne ist dann oft zu wenig Platz.
Gleichzeitig verändert sich das Gleichgewicht der Gesichtsmuskulatur. Lippen und Wangen üben von außen Druck auf die Zähne aus, während der Gegendruck der Zunge fehlt. Das kann zu verschiedenen Zahnfehlstellungen führen – vom Engstand über den offenen Biss bis zum Kreuzbiss.
Wichtig zu wissen: Eine vorübergehende Mundatmung bei Erkältung ist kein Problem. Kritisch wird es erst, wenn dein Kind dauerhaft oder überwiegend durch den Mund atmet. Dann solltest du die Ursache abklären lassen.
Woran du Mundatmung bei deinem Kind erkennst
Mundatmung ist nicht immer offensichtlich. Manche Kinder atmen nur nachts durch den Mund, andere wechseln zwischen Nase und Mund. Trotzdem gibt es typische Anzeichen, auf die du achten kannst.
Sichtbare Zeichen:
- Der Mund steht häufig leicht offen
- Trockene, rissige oder aufgesprungene Lippen
- Wunde Mundwinkel
- Schlaffe oder schwache Lippenmuskulatur
- Die Oberlippe wirkt verkürzt, die Unterlippe wulstig
- Sichtbare obere Schneidezähne auch bei entspanntem Gesicht
Funktionelle Hinweise:
- Schnarchen oder lautes Atmen im Schlaf
- Unruhiger Schlaf, häufiges Aufwachen
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme tagsüber
- Häufige Erkältungen oder Halsschmerzen
- Mundgeruch trotz guter Zahnpflege
| Symptom | Was es bedeuten kann |
|---|---|
| Mund steht offen | Gewohnheitsmäßige Mundatmung |
| Trockene Lippen | Fehlender Mundschluss, Austrocknung |
| Schnarchen | Verlegte Atemwege, Mundatmung nachts |
| Tagesmüdigkeit | Schlechte Schlafqualität durch Mundatmung |
| Häufige Infekte | Luft wird nicht durch Nase gefiltert |
| Schmales Gesicht | Mögliche Folge langfristiger Mundatmung |
Wenn mehrere dieser Anzeichen auf dein Kind zutreffen, lohnt sich eine Abklärung. Das bedeutet nicht, dass sofort etwas Schlimmes dahintersteckt – aber frühes Handeln kann spätere Probleme vermeiden.
Ursachen für Mundatmung bei Kindern
Kinder atmen nicht ohne Grund durch den Mund. Meist steckt eine erschwerte Nasenatmung dahinter, manchmal ist es aber auch eine Angewohnheit. Die häufigsten Ursachen im Überblick:
Vergrößerte Polypen oder Mandeln: Bei vielen Kindern sind die Rachenmandeln (Polypen) oder Gaumenmandeln vergrößert. Sie verengen den Atemweg und machen die Nasenatmung schwierig. Das Kind weicht auf die Mundatmung aus.
Chronisch verstopfte Nase: Häufige Erkältungen, eine schiefe Nasenscheidewand oder vergrößerte Nasenmuscheln können die Nasenatmung dauerhaft erschweren.
Allergien: Heuschnupfen, Hausstaubmilbenallergie oder andere allergische Reaktionen führen zu geschwollenen Nasenschleimhäuten. Die Nase ist zu, das Kind atmet durch den Mund.
Angewohnheit: Manchmal bleibt die Mundatmung bestehen, obwohl die ursprüngliche Ursache längst behoben ist. Das Kind hat sich daran gewöhnt und muss die Nasenatmung erst wieder trainieren.
Muskelschwäche: Eine schwache Lippen- oder Zungenmuskulatur kann dazu führen, dass der Mund nicht richtig geschlossen wird. Das kann angeboren sein oder durch langes Schnullern verstärkt werden.
Eine Abklärung beim HNO-Arzt ist sinnvoll, um körperliche Ursachen auszuschließen oder zu behandeln. Oft arbeiten HNO-Ärzte, Kieferorthopäden und Logopäden zusammen, um das Problem ganzheitlich anzugehen.
Welche Zahnfehlstellungen durch Mundatmung entstehen können
Die dauerhafte Mundatmung beeinflusst das Wachstum von Kiefer und Zähnen auf verschiedene Weise. Je früher und je länger ein Kind durch den Mund atmet, desto ausgeprägter können die Folgen sein.
Schmaler Oberkiefer und hoher Gaumen: Ohne den formenden Druck der Zunge entwickelt sich der Oberkiefer zu schmal. Der Gaumen wölbt sich nach oben und wird spitz. Das verringert gleichzeitig den Raum in der Nasenhöhle – ein Teufelskreis.
Engstand der Zähne: Im schmalen Kiefer ist nicht genug Platz für alle bleibenden Zähne. Sie brechen schief durch, stehen gedreht oder überlappen sich. Die Zahnpflege wird schwieriger, das Kariesrisiko steigt.
Offener Biss: Die Frontzähne schließen nicht richtig aufeinander – es bleibt eine Lücke zwischen oben und unten. Das erschwert das Abbeißen und kann die Aussprache beeinflussen.
Kreuzbiss: Wenn der Oberkiefer zu schmal ist, passen die Zahnreihen nicht mehr richtig aufeinander. Die oberen Seitenzähne beißen innen an den unteren vorbei statt außen.
Rücklage des Unterkiefers: Bei Mundatmern liegt der Unterkiefer oft weiter hinten als normal. Das Kinn wirkt fliehend, das Profil verändert sich.
| Fehlstellung | Zusammenhang mit Mundatmung |
|---|---|
| Schmaler Oberkiefer | Fehlender Zungendruck am Gaumen |
| Engstand | Platzmangel durch schmalen Kiefer |
| Offener Biss | Zunge drückt zwischen die Zähne statt an den Gaumen |
| Kreuzbiss | Oberkiefer zu schmal für Unterkiefer |
| Überbiss mit Rücklage | Veränderte Kieferposition durch Mundatmung |
| Hoher Gaumen | Keine Formung durch Zunge |
Nicht jedes Kind mit Mundatmung entwickelt alle diese Probleme. Aber das Risiko ist deutlich erhöht. Eine frühzeitige Kontrolle beim Kieferorthopäden kann zeigen, ob bereits Handlungsbedarf besteht.
Das adenoide Gesicht und weitere Folgen
Bei Kindern, die über Jahre durch den Mund atmen, kann sich auch die Gesichtsform verändern. Fachleute sprechen vom sogenannten adenoiden Gesicht – benannt nach den Adenoiden, also den Rachenmandeln, die häufig Auslöser der Mundatmung sind.
Typische Merkmale:
- Schmales, längliches Gesicht
- Unterentwickelter Mittelgesichtsbereich
- Rückverlagerte Kinnpartie
- Dunkle Augenringe durch schlechten Schlaf
- Schlaffer Gesichtsausdruck
Diese Veränderungen entstehen nicht über Nacht, sondern entwickeln sich über Jahre. Je früher die Mundatmung behandelt wird, desto besser kann sich das Gesicht normal entwickeln.
Weitere gesundheitliche Folgen:
Mundatmung betrifft nicht nur Kiefer und Zähne. Die Nase hat wichtige Funktionen: Sie filtert, erwärmt und befeuchtet die Atemluft. Bei Mundatmung fallen diese Schutzfunktionen weg.
- Mundtrockenheit: Der Speichel kann die Zähne nicht ausreichend schützen. Das Kariesrisiko steigt, Zahnfleischentzündungen werden häufiger.
- Häufige Infekte: Ungefilterte Luft reizt die Atemwege. Kinder mit Mundatmung haben oft mehr Erkältungen und Halsschmerzen.
- Schlechter Schlaf: Mundatmung und Schnarchen stören die Schlafqualität. Die Folge: Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, manchmal sogar Verhaltensauffälligkeiten.
All das zeigt: Mundatmung ist mehr als eine kleine Angewohnheit. Sie verdient Aufmerksamkeit – aber keinen Grund zur Panik. Mit der richtigen Unterstützung lassen sich die meisten Probleme gut in den Griff bekommen.
Wann du mit deinem Kind zum Spezialisten solltest
Wenn du bei deinem Kind Anzeichen von Mundatmung bemerkst, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Je nach Situation kommen verschiedene Fachrichtungen ins Spiel:
HNO-Arzt: Der erste Ansprechpartner, um körperliche Ursachen abzuklären. Der HNO-Arzt untersucht Nase, Rachen und Mandeln. Bei Bedarf kann er Polypen entfernen oder eine Allergiebehandlung einleiten.
Kieferorthopäde: Wenn du dir Sorgen um die Zahn- oder Kieferentwicklung machst, ist eine kieferorthopädische Untersuchung hilfreich. Im Diagnostikzentrum können wir genau sehen, wie sich Kiefer und Zähne entwickeln. Eine erste Kontrolle empfehlen wir mit sechs bis acht Jahren.
Logopäde: Wenn Zungenruhelage und Schluckmuster betroffen sind, kann eine logopädische Therapie helfen. Manche Übungen stärken gezielt die Mund- und Lippenmuskulatur.
Kinderarzt: Bei allgemeinen Fragen oder als Vermittler zu den Fachärzten ist der Kinderarzt ein guter erster Anlaufpunkt.
In vielen Fällen arbeiten diese Fachrichtungen zusammen. Wir bei Orthodentix pflegen enge Kontakte zu HNO-Ärzten und Logopäden in der Region, um eine ganzheitliche Behandlung zu ermöglichen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Mundatmung und Zahnfehlstellung
Die Behandlung hängt davon ab, was die Mundatmung verursacht und welche Folgen bereits eingetreten sind. Oft werden mehrere Ansätze kombiniert.
Beseitigung der Ursache: Wenn vergrößerte Polypen oder Mandeln die Nasenatmung behindern, kann eine operative Entfernung helfen. Bei Allergien lindert eine entsprechende Behandlung die Beschwerden. Sobald die Nasenatmung wieder möglich ist, fällt auch die Umstellung leichter.
Myofunktionelle Therapie: Diese spezielle Therapie trainiert die Mund- und Gesichtsmuskulatur. Mit gezielten Übungen lernt dein Kind, die Zunge richtig am Gaumen zu positionieren, die Lippen zu schließen und durch die Nase zu atmen. Die Therapie wird meist von Logopäden durchgeführt und erfordert regelmäßiges Üben zu Hause.
Kieferorthopädische Behandlung: Wenn bereits Zahnfehlstellungen entstanden sind, kann eine kieferorthopädische Korrektur sinnvoll sein. Mit losen Zahnspangen lässt sich bei jüngeren Kindern das Kieferwachstum positiv beeinflussen. Der Oberkiefer kann gedehnt werden, um mehr Platz für die Zähne zu schaffen. Bei älteren Kindern und komplexeren Fehlstellungen kommen feste Zahnspangen zum Einsatz.
Früh behandeln lohnt sich: Im Wachstumsalter ist der Kiefer noch formbar. Frühzeitige Behandlung kann das natürliche Wachstum nutzen und aufwendigere Korrekturen später vermeiden. Besonders bei Kindern zwischen 6 und 10 Jahren lassen sich mit relativ einfachen Mitteln gute Ergebnisse erzielen. Wartest du zu lange, ist das Wachstum abgeschlossen und manche Optionen fallen weg. Deshalb empfehlen wir eine umfassende Beratung, sobald du Auffälligkeiten bemerkst.
Wie lange dauert die Behandlung? Das hängt von der Ausgangssituation ab. Eine myofunktionelle Therapie erstreckt sich typischerweise über mehrere Monate mit regelmäßigen Übungen. Die kieferorthopädische Behandlung dauert je nach Fehlstellung ein bis drei Jahre. Wichtig ist die Mitarbeit deines Kindes – sowohl beim Tragen der Spange als auch beim Üben der Atemtechnik.
Was du als Elternteil tun kannst
Du kannst viel dazu beitragen, dass Mundatmung bei deinem Kind früh erkannt und behandelt wird. Hier einige praktische Tipps:
Auf Symptome achten: Beobachte, wie dein Kind atmet – tagsüber und nachts. Schläft es mit offenem Mund? Schnarcht es? Sind die Lippen oft trocken? Diese Beobachtungen helfen auch dem Arzt bei der Einschätzung.
Frühzeitig zum Arzt: Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind dauerhaft durch den Mund atmet, lass es abklären. Je früher, desto besser. Der HNO-Arzt kann körperliche Ursachen feststellen oder ausschließen.
Schnuller rechtzeitig abgewöhnen: Langfristiges Schnullern kann die Mundatmung begünstigen und die Zungenposition beeinflussen. Spätestens mit dem dritten Geburtstag sollte der Schnuller Geschichte sein. Gleiches gilt fürs Daumenlutschen.
Spielerische Übungen: Es gibt einfache Übungen, die die Nasenatmung fördern. Riechspiele, Pustespiele mit Strohhalm oder das bewusste Atmen durch die Nase können helfen. Am besten begleitend zu einer professionellen Therapie.
Positive Motivation: Dein Kind kann nichts für die Mundatmung. Vermeide Vorwürfe oder ständiges Ermahnen. Erkläre lieber kindgerecht, warum Nasenatmung wichtig ist, und feiere kleine Fortschritte.
Regelmäßige Kontrollen: Lass die Zahnentwicklung regelmäßig überprüfen. Eine kieferorthopädische Kontrolle mit sechs bis acht Jahren kann frühzeitig zeigen, ob Handlungsbedarf besteht.
Beratung bei Orthodentix
Du hast den Eindruck, dass dein Kind durch den Mund atmet, oder machst dir Sorgen um die Zahnentwicklung? Dann komm zur Beratung bei Orthodentix. An unseren fünf Standorten am Niederrhein nehmen wir uns Zeit für dich und dein Kind. Wir schauen uns die Situation genau an und besprechen gemeinsam, ob und welche Behandlung sinnvoll ist.
Mit über 15.000 erfolgreich behandelten Patienten und modernster Diagnostik sind wir der richtige Ansprechpartner für alle Fragen rund um Kieferorthopädie bei Kids und Teens. Vereinbare deinen Termin online oder ruf uns an – wir freuen uns auf euch.




